Differentialdiagnose – Die sichere diagnostische Abgrenzung
Ähnlichkeiten und fließende Übergänge zu anderen Erkrankungen
Es gibt verschiedene Formen von Esstörungen deren Symptomatik sich mitunter ähnelt. Eine sichere diagnostische Abgrenzung (Differentialdagnose), beispielsweise zwischen der Anorexia nervosa und der Bulimia nervosa, ist nur anhand bestimmter Symptome möglich. Der größte Unterschied zwischen anorektischen und bulimischen Patienten besteht im Körpergewicht. Während Magersüchtige sich kontinuierlich herunter hungern, sind bei Bulimikern aufgrund von Fress-Attacken häufig starke Gewichtsschwankungen feststellbar. Die Übergänge zwischen den einzelnen Erkrankungen sind mitunter fließend. Eine Magersucht kann sich im Krankheitsverlauf in eine Bulimie verwandeln. Die Anorexie weist zum Teil Ähnlichkeiten mit anderen psychischen Erkrankungen wie Zwangsstörungen und sozialen Phobien auf. Hier gilt es sorgfältig herauszuarbeiten, ob die geringe Nahrungsaufnahme durch soziale Ängste begründet ist, welche sich bei der sozialen Phobien auf verschiedene Bereiche des Lebens erstrecken können. Ähnliches gilt für Zwangsstörungen, bei denen es zu krankhaften Handlungen kommen kann, die eine normale Nahrungsaufnahme unmöglich machen. Mitunter leiden die Essgestörten zusätzlich unter weiteren psychischen Erkrankungen die ebenfalls therapiert werden müssen.
Starker Gewichtsverlust als Nachweis unzureichend
Eine starke Gewichtsabnahme lässt noch keine Rückschlüsse auf eine Essstörung zu. Differentialdiagnostisch müssen insbesondere Erkrankungen, wie Depressionen oder Schizophrenie, welche ebenfalls ein krankhaftes Essverhalten auslösen können, ausgeschlossen werden. Ähnliches gilt für Tumorerkrankungen oder entzündliche Prozesse des Magen-Darm-Traktes, wie z.B. Colitis ulcerosa oder Morbus Chron. Bis auf die Bulimie, fehlt bei allen anderen Erkrankungen, die mit einer massiven Gewichtsabnahme einhergehen, die magersuchttypische Angst vor einer Gewichtszunahme. Darüber hinaus wird die Gewichtsabnahme nicht angestrebt und aktiv gefördert.

