Zur Krankheitsentstehung der Anorexia nervosa (Magersucht) existieren verschiedene Erklärungsmodelle. Man geht davon aus, dass psychische, soziale und genetische Faktoren die Krankheit begünstigen können. Die Zwillingsforschung, konnte ein gehäuftes Auftreten der Krankheit unter eineiigen Zwillingen nachweisen. Ein direkt verantwortliches Gen konnte nicht identifiziert werden. Das familiäre Umfeld der meist jungen und weiblichen Patientinnen spielt bei der Krankheitsentstehung eine wichtige Rolle.

Familiäre Verhaltensmuster

Die Familien zeichnen sich häufig durch ein übergroßes oberflächliches Harmoniestreben aus. Sie vermitteln nach außen gerne ein heiles, gutbürgerliches Bild, während im Inneren oft eine große emotionale Leere und Distanz herrscht. Der Zusammenhalt der Familie wird mitunter ausschließlich durch die schwere Erkrankung des Kindes begründet. An dem krankheitsbedingten Elend entzünden und entladen sich dann Gefühle und Konflikte, die anderweitig kein Ventil finden. Die Eltern zeigen häufig einen perfektionistischen Anspruch gegenüber ihrem Kind, neigen zu starker Einengung und Bemutterung. Der Erkrankten erscheint die Magersucht als Weg aus der eigenen Unsicherheit und Ohnmacht gegenüber ihren Lebensverhältnissen. Sie wehrt sich gegen die Fremdbestimmung durch die Eltern, in dem sie versucht in einem Bereich ihres Lebens, dem Essen, die totale Kontrolle zu erlangen. Sie drückt ihren starken Wunsch nach Autonomie durch die totale Beherrschung des eigenen Körpers aus.

Eine Diät als letzter Auslöser für die Erkrankung

Die Magersucht beginnt häufig mit einer Diät und dem Wunsch der Mädchen bzw. Frauen endlich dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen. Dieser Wunsch kann durch kritische Kommentare von Freunden und Verwandten über die Figur der Betroffenen noch verstärkt werden. Die Medien propagieren Schlankheit als Schlüssel für Erfolg und Anerkennung. Positive Reaktion auf erreichte Gewichtsreduktionen, stärken zuerst das Selbstbewusstsein, können jedoch im Zusammenhang mit anderen Faktoren in den Teufelskreis Magersucht münden.


Weiterführende Literatur zum Thema Magersucht: