Therapie – Wege aus dem Teufelskreis
Die Rückkehr in ein normales Leben
Das erste Ziel der Magersucht-Therapie besteht in der Gewichtszunahme, um das Risiko von schweren körperlichen Folgeschäden zu minimieren. Abhängig vom aktuellen Gewicht und dem psychischen Allgemeinzustand der Betroffenen ist eine ambulante Therapie möglich. Bei starkem Untergewicht oder einen vermuteten Suizidneigung ist eine stationäre Therapie sinnvoller. Dort wird der Körper unter ärztlicher Aufsicht sofort mit den notwendigen Nährstoffen versorgt. Dazu werden Elektrolyte über einen Venentropf und hochkalorische Flüssignahrung über eine Magensonde verabreicht. Auf die Sonde kann verzichtet werden, wenn der Patient willens ist, die Nahrung auf natürlichem Wege zu sich zu nehmen. Diese Akutmaßnahmen sind bei lebensbedrohlichem Untergewicht unabdingbar. Zeitgleich, oder in unmittelbarer Folge, erhält der Patient eine umfassende psychotherapeutische Betreuung. In der Praxis hat sich die Gabe von Psychopharmaka als wenig hilfreich erwiesen, da sie die Ursachen der Magersucht nicht beseitigen können und von den Patienten aufgrund der Nebenwirkungen (unkontrollierte Gewichtszunahme) häufig abgelehnt werden.
Die Familientheraphie
Insbesondere bei sehr jungen Patienten, die noch im Elternhaus wohnen, kommt die Familientherapie zum Einsatz. Man geht davon aus, dass der anorektische Patient als Symptomträger seiner insgesamt behandlungsbedürftigen Familie fungiert. Während den Therapiesitzungen erhält die gesamte Familie Hilfestellung um ihre Kommunikation zu verbessern und belastende Konflikte endlich offen auszusprechen. Innerhalb einer Psychoanalyse werden unbewusste und verdrängte Konflikte, welche häufig zur Entstehung der Krankheit geführt haben, aufgedeckt und dem Patienten ins Bewusstsein gerufen. Während der Auseinandersetzung mit den Konflikten wird eine Reifung der Persönlichkeit und eine Stärkung des Selbstbewusstsein angestrebt. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen vermitteln dem Betroffenen Lösungsansätze für alltägliche Probleme, auf die sie bisher mit einer Flucht in die Essstörung reagiert haben.
Die verzerrte Wahrnehmung des eigenes Körpers (Körperschemastörung) kann durch gezielte körperorientierte Übungen normalisiert werden.

